Eine Therme in den Bergen ist mehr als ein Freizeitbad. Sie ist Ganzjahres-Anker für einen Tourismusort, Rückzugsraum für Gäste und – wenn sie gelingt – ein Bauwerk, das dem Ort ein Gesicht gibt. Die Silvretta Therme in Ischgl zeigt, wie sich diese Ansprüche zu einer Architektur verbinden lassen, die aus ihrer alpinen Lage Kraft schöpft, statt gegen sie anzubauen.
Bauen am Hang, nicht gegen ihn
Die vielleicht wichtigste Entscheidung fällt am Anfang: Wie setzt sich ein großes Haus in eine steile, sensible Bergkulisse? Statt einen Solitär auf ein planiertes Plateau zu stellen, nimmt der Baukörper die Topografie auf und staffelt sich in mehreren Ebenen in den Hang. So verschmilzt das Volumen mit der Landschaft, und die einzelnen Nutzungen – Bad, Sauna, Wellness, Gastronomie – finden auf natürlichen Niveausprüngen ihren Platz.
Dieses Prinzip löst mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es bricht die Masse des Gebäudes, es schafft für nahezu jeden Bereich einen eigenen Ausblick, und es führt Gäste über kurze, selbsterklärende Wege durch das Haus – ohne dass ein Freizeitbad dieser Größe unübersichtlich wird.
Die Landschaft kommt herein
Im Inneren bestimmen warmes Holz, Naturstein und weite Glasflächen die Atmosphäre. Diese Materialwahl ist kein dekoratives Zitat des Alpinen, sondern eine ruhige, wertige Grundstimmung, die mit der Zeit besser wird statt schlechter. Der Blick auf die umliegenden Berge wird dabei konsequent inszeniert – vom Ruheraum über die Saunalandschaft bis an den Beckenrand. Wer im Wasser liegt, schaut nicht auf eine Wand, sondern auf die Gipfel.
Die unsichtbare Leistung: Technik und Klima
Was Gäste als Leichtigkeit erleben, ist planerisch das Gegenteil. Eine Therme verbindet hohe Besucherfrequenz mit anspruchsvollster Haustechnik – Wasseraufbereitung, Lüftung, Feuchte- und Wärmemanagement – und all das unter den Bedingungen eines alpinen Klimas mit großen Temperaturunterschieden und langen Wintern. Diese Systeme müssen von der ersten Skizze an mitgedacht werden, weil sie Raumhöhen, Wege und Konstruktion prägen. Gelungene Bäderarchitektur erkennt man auch daran, dass man diese Komplexität am Ende nicht mehr sieht.
Ein Wahrzeichen, das ganzjährig trägt
Das Ergebnis ist ein Haus, das zwei Aufgaben zugleich erfüllt: Es funktioniert im Alltag eines stark frequentierten Ganzjahresbetriebs, und es wirkt als architektonisches Wahrzeichen für Ischgl weit über die Wintersaison hinaus. Genau in dieser Verbindung – anspruchsvolles Funktionsprogramm, langlebige Materialität und ein Entwurf, der aus dem Ort heraus denkt – liegt die Spezialkompetenz von Prokopetz Architekten im Bäder- und Thermenbau.




